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Warum ein One-Person-Unicorn nicht auf ChatGPT läuft

Warum ein One-Person-Unicorn nicht auf ChatGPT läuft

Was uns der letzte Paradigmenwechsel über die aktuelle Situation verrät. -

14. September 2026     Lesezeit: 5 Min.

Sam Altman und andere führende KI-Forscher gehen davon aus, dass das erste „Ein-Personen-Unicorn“ – ein Milliardenunternehmen, das von einem einzigen Gründer geleitet wird, der KI-Agenten steuert – im Zeitraum zwischen 2026 und 2028 entstehen wird. Im gleichen Zeitraum prognostizieren Analysten für den Markt der KI-Unternehmensanwendungen bis 2030 ein Volumen von rund einer Billion US-Dollar.

Stellt man diese beiden Prognosen gegenüber, drängt sich eine offensichtliche Frage auf: Wird dieses Ein-Personen-Unicorn auf ChatGPT laufen? Werden die Fortune-500-Unternehmen eine Billion Dollar für Microsoft Copilot ausgeben?

Natürlich nicht. ChatGPT ist eine Chat-Schnittstelle. Copilot ist ein eher einfacher Assistent, der in Office und Windows integriert wurde. Beide sind zweifellos nützlich und sorgen für echte Produktivitätssteigerungen, doch sie markieren lediglich den ersten Schritt ins KI-Zeitalter, nicht das Endziel. Keines der beiden Systeme wickelt durchgängige Geschäftsprozesse ab. Keines wird die Nachfrage der Unternehmen im Wert von einer Billion Dollar absorbieren. Und keines ist in der Lage, ein Unternehmen ganz ohne Personal zu führen.

„Wie sieht die Software aus, die diese Prognosen erfüllen kann?“
Jörg Bröker

Damit stellt sich eine Frage, die bisher kaum jemand stellt: Wie sieht eigentlich die Software aus, die diese Prognosen erfüllen kann? Niemand kann das mit Sicherheit sagen. Doch wir tappen auch nicht völlig im Dunkeln, denn wir haben eine solche Entwicklung bereits einmal erlebt.

Das Internet – eine Entwicklung auf zwei Ebenen

Mit dem Aufkommen des Internets geschahen zwei Dinge, und zwar unabhängig voneinander. Der erste Aspekt war technischer Natur. Zu Beginn gab es statische, von Hand geschriebene HTML-Seiten. Dann kamen JavaScript, AJAX und CSS hinzu und verwandelten flache Dokumente in interaktive, ansprechend gestaltete Websites.

Parallel dazu entstanden erste Frameworks, die es Entwicklern ermöglichten, auf gemeinsamen Bausteinen aufzubauen, anstatt für jede neue Website das Rad neu zu erfinden. Es folgten CMS- und E-Commerce-Systeme.

Heute decken moderne Full-Stack-Frameworks Frontend, Backend und Datenbank ab und ermöglichen es uns, Webanwendungen in einem Bruchteil der Zeit zu erstellen – Anwendungen, die so leistungsstark sind, dass sie native Windows- und Mac-Software abgelöst haben.

Auch die zugrundeliegende Infrastruktur vollzog diesen Sprung: von lokalen Servern über Rechenzentren bis hin zu Cloud-Computing und CDNs. Jeder Schritt bewirkte dasselbe: Er nahm ein Problem, das zuvor jedes Team für sich allein gelöst hatte, und verwandelte es in eine Komponente, deren Verfügbarkeit man einfach voraussetzen konnte.

Die entscheidendere Entwicklung

Die zweite Entwicklung ist die bemerkenswerte. Auf dieser Infrastruktur entstanden völlig neue Geschäftskategorien, von denen sich einige zu den größten Unternehmen der Welt entwickelten.

„Keine dieser Kategorien existierte vor dem Internet. Im Rückblick erscheinen sie alle offensichtlich.“
Jörg Bröker

Suchmaschinen, Online-Werbung und Cloud-Computing schufen Google. Social Media veränderte unsere Art der Interaktion und brachte Facebook und Meta hervor. E-Commerce revolutionierte das Einkaufsverhalten und ließ Amazon und Shopify entstehen. Streaming veränderte den Medienkonsum – und die Beschaffenheit der Inhalte selbst – und schuf Plattformen wie Netflix, YouTube, Spotify und TikTok. Online-Zahlungsdienste ermöglichten den Aufstieg von Stripe und PayPal, die heute klassischen Banken und Zahlungsanbietern Konkurrenz machen. Und SaaS (Software as a Service) definierte die Wirtschaftlichkeit von Software neu: Aus einem Produkt, das man einmalig kauft, wurde eine Dienstleistung, die man mietet. Keine dieser Kategorien existierte vor dem Internet. Im Rückblick erscheinen sie alle offensichtlich.

Über diesen letzten Punkt lohnt es sich, einmal nachzudenken. 1995 sprach niemand mit Überzeugung von einer „Streaming-Branche“. Zu Beginn waren diese Kategorien noch nicht absehbar; sie traten erst in Erscheinung, als die zugrundeliegende Technologie reifte und ihre Umsetzung kostengünstig genug machte, um sie auszuprobieren.

Wo stehen wir jetzt?

Genau diese Entwicklung beginnt nun auch bei KI und KI-Agenten. Der Software-Stack, mit dem wir heute arbeiten, und die darauf aufbauenden Geschäftsmodelle werden sich ebenso radikal wandeln. Die Billionen-Investitionen werden nicht in Chat-Fenster fließen, sondern in Software-Kategorien, die größtenteils noch gar nicht existieren.

„An welchem Punkt dieses Zyklus befinden wir uns jetzt gerade?“
Jörg Bröker

Das macht eine Frage wertvoller als jede Prognose: An welchem Punkt dieses Zyklus befinden wir uns jetzt gerade? Die ehrliche Antwort lautet: etwa im Jahr 1995. Es gibt noch keinen Standard-Stack und keine gemeinsamen Bausteine. Jedes Unternehmen löst dieselben komplexen Probleme von Grund auf neu und stellt dafür seltene, teure Experten ein. 1995 war ein hervorragendes Jahr, um mit dem Aufbau zu beginnen...

Jörg Bröker

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14. September 2026

Lesezeit: 5 Min.